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09/10/2023

Pflanzenportrait: Die Süß-Quitte

Traditionell kennen wir Quitten (Cydonia oblonga) in Mitteleuropa nur als steinhart, sauer und extrem adstringierend – sie müssen also gekocht werden. Doch es gibt eine Gruppe von Sorten, die sogenannten „Honigquitten“ oder „Süßquitten“, die bei ausreichender Reife und Wärme so mürbe und süß werden, dass man sie wie einen Apfel direkt vom Baum essen kann.

Hier sind die besten Sorten für den Rohverzehr im Waldgarten:

1. Die Top-Sorten für den Rohverzehr

Sorte Typ Eigenschaften
‘Ayva’ Apfelquitte Der Überbegriff für türkische Süßquitten. Sie haben sehr wenig Gerbstoffe und ein butterweiches Fruchtfleisch.
‘Cydora Robusta’ Apfelquitte Eine moderne, sehr widerstandsfähige Sorte (resistent gegen Feuerbrand!). Bei Vollreife mürbe und aromatisch genug zum Rohessen.
‘Krim-Quitte’ Apfelquitte Stammt aus Osteuropa. Sie ist sehr frosthart und wird bei sonnigem Stand angenehm süß und essbar ohne Kochen.
‘Aromatnaja’ Apfelquitte Eine russische Züchtung, die speziell für den Rohverzehr selektiert wurde. Sie hat ein feines Ananas-Aroma.
‘Shirin’ Birnenquitte Eine Sorte aus Zentralasien (Usbekistan). „Shirin“ bedeutet „süß“. Sie ist fast völlig frei von der typischen Bitterkeit.

2. Der entscheidende Faktor: Das Klima

Damit eine Quitte roh genießbar wird, muss sie Zucker einlagern und Gerbstoffe abbauen. Das gelingt nur unter bestimmten Bedingungen:

  • Viel Sonne: Süßquitten sollten im Waldgarten den sonnigsten Platz bekommen (Südrand).

  • Lange Reifezeit: Lass die Früchte so lange wie möglich am Baum, idealerweise bis kurz vor den ersten Frost. Wenn die „Wollhaare“ auf der Schale fast ganz verschwinden und die Frucht intensiv duftet, ist sie bereit.

  • Nachreife: Oft schmecken sie nach 1–2 Wochen Lagerung im Haus noch milder und mürber.


3. Warum Quitten perfekt in den Waldgarten passen

Quitten besetzen die Mittlere Baumschicht (ca. 3–5 Meter) und bieten einige ökologische Vorteile:

  • Wunderschöne Blüte: Sie blühen sehr spät (Mai/Juni), wodurch sie kaum spätfrostgefährdet sind und eine wichtige späte Nahrungsquelle für Bienen darstellen.

  • Tee-Potenzial: Die getrockneten Schalen der Quitte sind extrem aromatisch und geben jedem Kräutertee eine goldene Farbe und ein wunderbares Aroma.

  • Gilde: Quitten vertragen sich hervorragend mit Unterpflanzungen wie Beinwell oder Knoblauch (der sie vor Pilzkrankheiten schützt).


4. Ein wichtiger Hinweis zum Verzehr

Auch bei Süßquitten sitzt der bittere Geschmack oft in der Schale (wegen des Flaums) und im Kerngehäuse.

  • Tipp: Reibe den Flaum mit einem Tuch gründlich ab oder schäle die Quitte ganz dünn. Iss niemals die Kerne mit, da diese (wie bei Äpfeln, nur konzentrierter) Blausäure-Vorstufen enthalten.


5. Zusammenfassung: Quitte vs. Sorbaronia & Kornelkirsche

Im Vergleich zu deinen anderen Waldgarten-Pflanzen liefert die Quitte die größten Früchte für die Vorratskammer. Während die Sorbaronia eher für Säfte und die Kornelkirsche für feines Gelee ist, liefert die Quitte die Masse für Fruchtleder, „Quittenbrot“ oder eben – bei den richtigen Sorten – den frischen Snack zwischendurch