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11/09/2023

Pflanzenportrait: Die Kürbisgewächse

Der Kürbis ist im Waldgarten eine der effizientesten „Platzhalter-Pflanzen“, besonders in der Gründungsphase oder in jungen Gilden. In der Permakultur nutzt man ihn als strategischen Verbündeten, um den Boden mit einem Minimum an Arbeit unkrautfrei und feucht zu halten.

1. Das Prinzip: Der „lebende Mulch“

Kürbisse (besonders stark rankende Sorten wie Cucurbita maxima) produzieren innerhalb weniger Wochen riesige Blätter.

  • Lichtentzug: Die Blätter bilden ein dichtes Dach, das fast 100 % des Sonnenlichts schluckt. Einjährige Unkräuter haben darunter keine Chance zu keimen.

  • Mikroklima: Unter dem Blattwerk bleibt es kühl und feucht. Das schützt das Bodenleben und spart Gießwasser für deine jungen Bäume (z. B. die Nashi oder Paw Paw).


2. Die besten Sorten für den Waldgarten

Nicht jeder Kürbis eignet sich gleich gut. Du brauchst Sorten, die „Meter machen“:

  • Hokkaido (Red Kuri): Klassiker, wächst schnell, die Ranken sind sehr agil.

  • Musquée de Provence: Bildet extrem große Blätter und sehr lange Ranken, braucht aber viel Wärme.

  • Butternut: Etwas kompakter, aber sehr guter Bodendecker für kleinere Lücken.

  • Ölkürbis: Rankt sehr stark und unterdrückt Unkraut extrem effektiv.


3. Strategische Platzierung

Im Waldgarten setzt man Kürbisse gezielt dort ein, wo das System noch „offen“ ist:

  • In jungen Baumscheiben: Pflanze den Kürbis ca. 1 Meter vom Stamm deines jungen Obstbaumes entfernt. Er wird die Baumscheibe komplett überziehen und dir das Jäten ersparen.

  • Auf frischen Mulchflächen: Wenn du eine neue Fläche mit Pappe und Heu/Laub vorbereitet hast (Mulch-Methode), schneide einfach ein Loch hinein und pflanze den Kürbis dort ein. Er nutzt die Nährstoffe des verrottenden Materials und schützt die Fläche vor neuem Samenanflug.

  • Zwischenraum-Füller: Solange die Esskastanie oder der Rosinenbaum noch klein sind, nutzt der Kürbis den sonnigen Platz am Boden optimal aus.


4. Die „Drei Schwestern“ im Waldgarten-Stil

Du kannst den Kürbis in einer einjährigen Gilde kombinieren:

  1. Mais oder Sonnenblumen (als vertikales Element).

  2. Stangenbohnen (fixieren Stickstoff für den hungrigen Kürbis).

  3. Kürbis (bedeckt den Boden). Im Waldgarten dient diese Gilde oft als „Vorkultur“, um den Boden für spätere mehrjährige Stauden vorzubereiten.


5. Worauf du achten musst

Trotz aller Vorteile gibt es zwei „Gefahren“:

  • Erwürgen: Kürbisse sind Kletterkünstler. Sie schrecken nicht davor zurück, an jungen Felsenbirnen oder Sorbaronia-Sträuchern hochzuranken. Die schweren Früchte könnten dünne Zweige abbrechen.

    • Lösung: Ranken regelmäßig sanft vom Baum weg in eine freie Richtung leiten.

  • Nährstoffkonkurrenz: Kürbisse sind Starkzehrer.

    • Lösung: Gib dem Kürbis beim Pflanzen eine extra Schippe Kompost oder eine Handvoll Hornspäne ins Pflanzloch, damit er dem Baum keine Nährstoffe entzieht.