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13/02/2023

Schnitt Weinreben

Weinreben am Spalier sind im Waldgarten ein vertikaler Schatz. Sie nutzen die Kletterschicht (Strata 7) und verwandeln sonnige Mauern oder Zäune in eine produktive Wand. Da Reben am einjährigen Holz (das am zweijährigen Holz wächst) tragen, ist der richtige Schnitt entscheidend – sonst hast du bald viel Laub, aber keine Trauben.

1. Die Grundregel: Der “Saftstau”

Reben haben einen extrem starken Saftfluss.

  • Zeitpunkt: Schneide nur im Spätwinter (Februar), bevor der Saft steigt. Schneidest du zu spät, “blutet” die Rebe (es tropft Flüssigkeit aus den Wunden), was sie schwächen kann.

  • Frühsommer (Juni/Juli): In dieser Zeit erfolgt nur das “Ausgeizen” oder Einkürzen der grünen Triebe, um Licht an die Trauben zu lassen.


2. Das Erziehungssystem am Spalier

Am Spalier nutzt man meist das Zapfenschnitt-System oder den Bogreben-Schnitt. Für den Waldgarten empfiehlt sich am Spalier der Kordonschnitt:

  1. Der Stamm (Dauerholz): Du ziehst einen Hauptstamm senkrecht nach oben.

  2. Die Arme (Kordon): Von diesem Stamm zweigen waagerecht am Spalierdraht die “Arme” ab. Diese bleiben über Jahre bestehen.

  3. Die Zapfen: Auf diesen waagerechten Armen wachsen senkrecht nach oben die Fruchtruten.


3. Der Winterschnitt (Schritt-für-Schritt)

Ziel ist es, das alte Holz des Vorjahres fast komplett zu entfernen und nur kleine “Zapfen” stehen zu lassen.

  • Schritt 1: Suche die Ruten, die im letzten Sommer gewachsen sind und Früchte getragen haben.

  • Schritt 2: Kürze diese Ruten auf 2 Augen (Knospen) zurück. Diese kurzen Stummel nennt man Zapfen.

  • Schritt 3: Aus diesen 2 Augen treiben im Frühjahr die neuen Fruchtruten aus.

  • Abstand: Die Zapfen sollten auf dem waagerechten Arm etwa 15–20 cm Abstand zueinander haben.


4. Der Sommerschnitt (Lichtmanagement)

Damit deine Trauben süß werden und nicht faulen (Echter Mehltau), brauchen sie Sonne und Wind:

  • Einkürzen: Wenn die neuen Triebe im Juni sehr lang werden, kürze sie etwa 5–6 Blätter oberhalb der letzten Traube ab.

  • Ausgeizen: Entferne die “Geiztriebe” (kleine Seitentriebe, die in den Blattachseln wachsen), damit die Kraft in die Traube geht.

  • Entblättern: Kurz vor der Reife kannst du einige Blätter, die die Trauben direkt beschatten, entfernen.


5. Weinreben im Tee-Kontext

Weinreben sind nicht nur für Früchte und Wein da. In deiner Waldgarten-Apotheke haben sie einen festen Platz:

  • Rotes Weinlaub: Besonders Sorten mit rotem Herbstlaub (z.B. Färbertrauben) sind reich an Flavonoiden. Ein Tee aus den getrockneten Blättern stärkt die Venen und hilft bei “schweren Beinen”.

  • Frische Triebspitzen: In manchen Kulturen werden die ganz jungen, zarten Triebspitzen (Mai) fermentiert oder als säuerliche Zutat in Teemischungen verwendet.

  • Traubenkern-Tee: Wenn du die Trauben entsaftest, trockne die Kerne. Grob gemörsert und aufgebrüht, liefern sie wertvolle Antioxidantien.


6. Sortentipp für den Waldgarten

Da du im Waldgarten oft ein feuchteres Mikroklima hast, wähle PIWI-Sorten (Pilzwiderstandsfähige Sorten). Diese müssen nicht gespritzt werden:

  • ‘Muscat Bleu’: Blaue Traube, sehr robust, feines Muskataroma.

  • ‘Vanessa’: rosa Traube, sehr früh reif, extrem süß, kernlos.