Back

DIARY

Book a room

What’s Happened

11/06/2021

Gräser im Waldgarten

Das ist ein faszinierender Aspekt der Pflanzenphysiologie, der oft übersehen wird. Gras (insbesondere die typischen Rasengräser wie Lolium perenne) ist im Waldgarten nicht nur wegen der Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe problematisch, sondern betreibt eine Art “chemische und hormonelle Kriegsführung” gegen Gehölze.

Hier sind die Gründe, warum Gras im Waldgarten oft als “Feind” betrachtet wird:

1. Hormonelle Hemmung: Die Allelopathie

Gräser sondern über ihre Wurzeln chemische Verbindungen aus (sekundäre Pflanzenstoffe), die auf die Wurzeln von Bäumen wie ein Wachstumsstopp-Signal wirken.

  • Effekt: Diese Stoffe können die Zellteilung in den Wurzelspitzen junger Obstbäume (wie deiner Nashi oder Pawpaw) hemmen. Der Baum “glaubt” hormonell, dass kein Platz für Expansion ist, und stellt das Wurzelwachstum ein.

  • Ergebnis: Man nennt das “Gras-Stunt”. Bäume, die in dichtem Gras stehen, wachsen oft jahrelang kaum, während Bäume in einer gemulchten Baumscheibe explodieren.

2. Stickstoff-Immobilisierung

Gras ist ein extremer Stickstoff-Junkie. Es reagiert viel schneller auf verfügbaren Stickstoff im Oberboden als die tieferen Wurzeln der Bäume.

  • Hormonelle Reaktion: Wenn der Baum einen Stickstoffmangel registriert, schüttet er Stresshormone (wie Abscisinsäure) aus. Dies führt dazu, dass er Knospen abwirft oder das Triebwachstum vorzeitig einstellt, um zu überleben. Das Gras “stiehlt” dem Baum die hormonelle Basis für den Austrieb.

3. Der Mykorrhiza-Konflikt

Bäume im Waldgarten sind auf eine Symbiose mit Ektomykorrhiza- oder Endomykorrhiza-Pilzen angewiesen. Diese Pilze fungieren als verlängertes Hormonsystem des Baumes.

  • Gras-Problem: Gräser fördern eine völlig andere Bodenbiologie (eher bakteriell dominiert). Die feinen Wurzelhaare des Grases bilden so dichte Matten, dass sie den Pilzgeflechten der Bäume den physischen Raum und den Sauerstoff rauben. Ohne diese Pilze fehlt dem Baum die hormonelle Kommunikation mit seinen Nachbarn.

4. Feuchtigkeits-Hormone

Gras transpiriert sehr effizient. Wenn das Gras den Oberboden austrocknet, senden die Baumwurzeln Dürre-Signale(Hormone) an die Blätter, die Spaltöffnungen zu schließen.

  • Die Folge: Die Photosynthese kommt zum Erliegen, obwohl vielleicht in der Tiefe noch Wasser wäre – aber die Signalwirkung des Grases im Oberboden ist zu stark.


Strategien im Waldgarten: Gras ersetzen

Um diesen “hormonellen Würgegriff” des Grases zu lösen, ersetzen wir es durch Pflanzen, die gehölzfreundlich sind:

  1. Beinwell: Seine Wurzeln dringen tief vor und lockern den Boden auf, ohne die Baumwurzeln chemisch zu hemmen.

  2. Blattgemüse/Stauden: Pflanzen wie Frauenmantel, Hostas oder Taglilien konkurrieren nicht so aggressiv und fördern ein pilzdominantes Bodenklima.

  3. Leguminosen: Klee fixiert Stickstoff, was die hormonelle Vitalität der Bäume fördert (statt sie zu hemmen).

Zusammenfassung: Das “Gras-Loch” vermeiden

In der Gründungsphase eines Waldgartens ist es essenziell, das Gras rund um die Bäume zu eliminieren (z.B. durch die Karton-Mulch-Methode). Sobald das Gras weg ist und durch lebendigen Mulch oder Gras-Klee-Mulch ersetzt wird, “atmen” die Bäume hormonell auf und beginnen ihr wahres Wachstum