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13/01/2021

Das Bodenleben

Das Bodenleben (das sogenannte Edaphon) ist der eigentliche Motor des Waldgartens. Während im konventionellen Gartenbau der Mensch die Pflanzen füttert (durch Dünger), fütterst du im Waldgarten das Bodenleben – und das Bodenleben füttert dann die Pflanzen.

Der entscheidende Unterschied: Ein Waldgartenboden ist pilzdominant, während ein Ackerboden bakteriendominiertist.


1. Das “Wood Wide Web”: Die Mykorrhiza

Im Waldgarten bilden Pilze ein gigantisches unterirdisches Netzwerk.

  • Symbiose: Die Pilze umschlingen die Wurzeln deiner Bäume (z. B. Esskastanie oder Speierling). Sie liefern dem Baum Wasser und Phosphor und erhalten im Gegenzug Zucker (aus der Photosynthese).

  • Kommunikation: Über dieses Netzwerk tauschen Bäume sogar Informationen und Nährstoffe aus. Ein starkes Pilzgeflecht schützt deine Pflanzen zudem vor Krankheitserregern.

  • Schutz: Graben oder Pflügen zerstört diese feinen Hyphen sofort. Deshalb wird im Waldgarten nie umgegraben.

2. Die Ingenieure: Regenwürmer

Besonders unter deinem Rhabarber oder dem Beinwell herrscht Hochbetrieb.

  • Tiefgräber: Arten wie der Lumbricus terrestris ziehen organisches Material (wie deine Gras-Klee-Mulchschicht) bis zu zwei Meter tief in den Boden.

  • Ton-Humus-Komplexe: Im Darm des Wurms verbinden sich Erde und organische Substanz zu stabilen Krümeln. Das ist der wertvollste Dünger der Welt. Er ist wasserstabil und speichert Nährstoffe perfekt für die Wurzeln deiner Nashi oder Aronia.


3. Bakterien und Strahlenpilze

Obwohl wir ein pilzlastiges System anstreben, spielen Bakterien eine Schlüsselrolle:

  • Stickstoff-Fixierer: Wie wir beim Sanddorn gelernt haben, leben an seinen Wurzeln Frankia-Bakterien, die Luftstickstoff in Bodenstickstoff verwandeln.

  • Zersetzer: Sie bauen die leicht verdaulichen Teile des Mulchs (z. B. Erdbeerblätter) rasch ab und stellen die Nährstoffe kurzfristig zur Verfügung.


4. Die Bedeutung der “Streuschicht”

Im Wald gibt es keine nackte Erde. Das Bodenleben braucht eine Decke (Mulch), um zu überleben:

  • Isolierung: Der Mulch schützt die Bodenorganismen vor UV-Strahlung und extremen Temperaturschwankungen.

  • Feuchtigkeit: Ohne Mulch trocknet die oberste Bodenschicht aus, und das Bodenleben (das zu 80 % in den oberen 10 cm stattfindet) stirbt ab oder flieht in die Tiefe.

  • Nahrung: Dein Chop and Drop (z. B. Weidenschnitt oder Rhabarberblätter) ist das Buffet für die Bodenorganismen.


5. Wie du das Bodenleben im Waldgarten förderst

Maßnahme Effekt
Kein Umgraben Schont das Pilznetzwerk und die Wurzelsysteme.
Dauermulch Bietet Schutz und kontinuierliche Nahrung.
Vielfalt der Pflanzen Unterschiedliche Wurzelausscheidungen fördern ein diverses Edaphon.
Totholz belassen Bietet Lebensraum für spezialisierte Holz-Zersetzer-Pilze.
Komposttee Impft den Boden mit nützlichen Mikroorganismen (besonders nach der Neuanlage).
  • Mykorriza Geflecht Boden Pilz
  • Mykorriza Geflecht Boden Pilz